Bei fast jedem Bewohner in der Langzeitpflege beginnt der Tag mit derselben Handlung: der Körperpflege. Sie ist so selbstverständlich, dass kaum jemand darüber nachdenkt — und zugleich ist sie einer der wenigen Momente, in denen Haut, Wasser, Textilien und die Hände der Pflegekraft zusammenkommen. Genau deshalb ist die Basishygiene bei der Körperpflege wieder Gegenstand der Diskussion.
Die Empfehlungen zur Infektionsprävention bei der Körperpflege sind in mehreren Ländern in den letzten Jahren überarbeitet worden, und die Waschung ohne Wasser gehört inzwischen ausdrücklich dazu — sie ist keine Ausnahme mehr. In den Niederlanden veröffentlichten die zusammenarbeitenden Fachverbände für Infektionsprävention 2025 eine überarbeitete Richtlinie zur Basishygiene bei der Körperpflege, die Empfehlungen aus den Jahren 2004 bis 2011 ablöst.
Daraus ergibt sich für die Praxis eine konkrete Frage: Wann wählt man Wasser und Seife, und wann feuchte Waschhandschuhe? Dieser Beitrag stellt beide Verfahren an den Punkten gegenüber, auf die es im Pflegealltag ankommt.
Zwei Wege zur selben Waschung
Waschen mit Wasser und Seife erfolgt unter der Dusche, am Waschbecken oder am Bett mit einer Waschschüssel. Erforderlich sind Wasser, Seife, Waschlappen oder -handschuhe sowie Handtücher zum Abtrocknen. Die verwendeten Materialien gehen anschließend in die Wäsche.
Die Waschung ohne Wasser arbeitet mit vorbefeuchteten Einmal-Waschhandschuhen. Sie enthalten eine hautneutrale Lotion, die die Haut reinigt und pflegt. Nachspülen ist nicht nötig; die Lotion trocknet von selbst. Für jede Körperregion wird ein frischer Handschuh verwendet, für den Intimbereich stets ein separater. Nach Gebrauch werden die Handschuhe entsorgt.
Keines der beiden Verfahren ist in jeder Situation das bessere. Nachstehend die sechs Punkte, in denen sie sich tatsächlich unterscheiden.
Infektionsrisiko: Das Wasser selbst ist ein Faktor
Das ist der Punkt, der sich in den vergangenen Jahren am deutlichsten verschoben hat. Waschbecken, Siphons und Abflüsse erweisen sich als hartnäckiges Reservoir für resistente Mikroorganismen. Das UZ Brüssel hatte über einen Zeitraum von zehn Jahren mehrfach Ausbrüche, die sich auf Waschbecken zurückführen ließen, und das UZ Gent entfernte 2021 sämtliche Waschbecken, die auf der Intensivstation neben den Betten standen. In einem deutschen Krankenhaus wurden eine Waschmaschine und zwei Waschbecken auf einer Neugeborenenstation als Infektionsquelle identifiziert.
Beim Waschen am Bett kommt die Waschschüssel hinzu: ein Behälter mit lauwarmem Wasser, das sich während der Waschung allmählich erwärmt und verunreinigt und das zwischen den Bewohnern gereinigt werden muss. Mehrere Kliniken erproben deshalb eine „wasserarme“ Versorgung, bei der feuchte Waschhandschuhe die Schüssel ersetzen.
Die Waschung ohne Wasser umgeht diesen gesamten Weg: keine Schüssel, kein Leitungswasser am Bett, kein mehrfach genutztes Textil. Jeder Handschuh ist ein Einmalprodukt aus einer verschlossenen Verpackung. Das macht die Handlung nicht steril — die Händehygiene bleibt mit Abstand die wichtigste Maßnahme — aber es entfallen mehrere gut dokumentierte Übertragungswege.
Hautzustand
Empfindliche, dünne Haut verträgt heißes Wasser und Seife schlecht. Wasser entzieht der Haut Fett, und Seife greift den schützenden Hydrolipidfilm an; bei täglicher Anwendung kann das zu Trockenheit, Juckreiz und Schädigung führen. Sorgfältiges Nachspülen und trockentupfen begrenzt das, kostet aber Zeit und geschieht in der Praxis nicht immer vollständig.
Die Lotion in feuchten Waschhandschuhen ist hautneutral und enthält pflegende Inhaltsstoffe wie Glycerin, Aloe vera und Vitamin E. Da nicht nachgespült wird, verbleiben diese Stoffe auf der Haut. Für Bewohner mit empfindlicher Haut ist das häufig das ausschlaggebende Argument. Wer Parfüm vermeiden möchte — bei empfindlicher Haut oder Allergie — kann auf eine parfümfreie Variante zurückgreifen.
Zeit und körperliche Belastung
Eine Waschung mit Wasser bedeutet: Schüssel holen und leeren, Wasser auf Temperatur bringen, nachspülen und abtrocknen. Das sind Handgriffe mit Heben, Bücken und Strecken, oft in ungünstiger Haltung neben dem Bett.
Die Waschung ohne Wasser lässt Spülen und Trocknen entfallen und erfordert keinen Wassertransport. In der Praxis bedeutet das eine kürzere Waschung und eine geringere körperliche Belastung für die Pflegekraft — ein Grund, weshalb sich das Verfahren gerade in der ambulanten Pflege und bei bettlägerigen Bewohnern durchgesetzt hat.
Komfort und Würde
Hier gibt es keinen eindeutigen Sieger, und das gehört ausgesprochen. Für viele Bewohner ist eine Dusche oder eine Waschung mit warmem Wasser ein Moment des Wohlbefindens, der sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt. Ein Handschuh aus der Packung bei Zimmertemperatur fühlt sich zudem kalt an, was als unangenehm empfunden wird.
Letzteres lässt sich lösen. Feuchte Waschhandschuhe können erwärmt werden, wodurch der Temperaturunterschied zur klassischen Waschung entfällt. Wie man das am besten tut — Mikrowelle oder ein spezielles Wärmegerät — haben wir in einem eigenen Vergleich beschrieben.
Die Entscheidung gehört daher zum Bewohner, nicht zum Lagerschrank. In vielen Einrichtungen wird abgewechselt: einige Male pro Woche duschen, an den übrigen Tagen ohne Wasser waschen.
Wasser, Abfall und Umwelt
Dieser Punkt zerfällt in zwei gegenläufige Effekte, und beide sind real.
Die Waschung ohne Wasser spart Wasser, Energie zu dessen Erwärmung sowie das Waschen und Trocknen von Waschlappen und Handtüchern — ein Wäschestrom, der in einer Einrichtung erheblich ins Gewicht fällt. Dem steht gegenüber, dass Einmalartikel anfallen, die nicht recycelt werden.
Welche Seite schwerer wiegt, hängt davon ab, wie die Wäsche in einer Organisation geregelt ist und um wie viele Waschungen es geht. Es ist kein Argument, das nur in eine Richtung zeigt.
Kosten
Waschen mit Wasser wirkt günstig, weil sich die Kosten verteilen: Wasser, Energie, Wäscherei, Arbeitszeit und Textilersatz stehen in verschiedenen Budgets. Die Waschung ohne Wasser hat einen sichtbaren Preis je Packung, nimmt aber einen Teil dieser verborgenen Kosten weg.
Ein fairer Vergleich rechnet daher die gesamte Kette mit, einschließlich Arbeitszeit und Wäschekosten — nicht nur den Anschaffungspreis je Waschung.
Zusammengefasst
| Wasser und Seife | Waschung ohne Wasser | |
| Infektionsrisiko | Schüssel, Waschbecken und Textilien sind bekannte Übertragungswege | Einmalgebrauch, kein Wasserbehälter am Bett |
| Haut | Wasser und Seife trocknen bei täglicher Anwendung aus | hautneutrale Lotion verbleibt auf der Haut |
| Zeit und Belastung | Holen, Spülen, Trocknen, Heben | kürzer, kein Wassertransport |
| Komfort | warmes Wasser wird von vielen als angenehm empfunden | gleichwertig, sofern erwärmt |
| Umwelt | Wasser, Energie und Wäsche | weniger Wasser und Wäsche, dafür Einmalabfall |
| Kosten | verborgen in mehreren Budgets | sichtbar je Packung |
Wann wählen Sie was?
Aus dem Vorstehenden folgt keine einseitige Empfehlung, wohl aber eine Reihe von Situationen, in denen sich die Wahl aufdrängt:
- Bettlägerige Bewohner und Pflege am Bett — hier wiegt der Wegfall der Waschschüssel am schwersten.
- Empfindliche oder geschädigte Haut — das fehlende Nachspülen und die pflegende Lotion sind hier das Argument.
- Erhöhtes Infektionsrisiko — bei Trägern resistenter Mikroorganismen oder nach einer Operation wird häufiger zu antimikrobiellen Waschhandschuhen gegriffen. Achten Sie dabei auf den Unterschied zwischen einem Produkt mit registriertem Wirkstoff und einem, das sich lediglich „antibakteriell“ nennt.
- Bewohner, denen das Duschen wichtig ist — kombinieren: duschen, wo es möglich ist, an den übrigen Tagen ohne Wasser waschen.
- Intimpflege und Inkontinenz — dafür gibt es spezielle Waschlappen für den Perinealbereich.
Drei Hinweise für die Praxis
Verwenden Sie je Körperregion einen frischen Handschuh. Der Vorteil des Einmalgebrauchs entfällt in dem Moment, in dem derselbe Handschuh über mehrere Zonen geht. Halten Sie sauberes und benutztes Material getrennt und entsorgen Sie gebrauchte Handschuhe sofort, statt sie auf dem Bett oder dem Nachttisch abzulegen.
Die Händehygiene bleibt maßgeblich. Keine Waschmethode ersetzt die Händedesinfektion vor und nach der Handlung. Die Waschung ohne Wasser nimmt Übertragungswege weg, aber nicht den wichtigsten.
Erwärmen Sie auf eine Weise, die sich wiederholen lässt. Ein Handschuh, der einmal lauwarm und das andere Mal zu heiß ist, untergräbt das Komfortargument. Eine feste Temperatur macht den Unterschied zwischen „manchmal angenehm“ und „verlässlich angenehm“.
Fazit
Basishygiene bei der Körperpflege ist keine Wahl zwischen zwei Produkten, sondern die Gestaltung einer täglichen Handlung, die für den Bewohner sicher und für die Pflegekraft leistbar ist. Die Waschung ohne Wasser ersetzt nicht alles — sie ist eine gut begründete Alternative für die Situationen, in denen Wasser mehr Risiko und mehr Arbeit mit sich bringt, als es wert ist.
Wer den Wechsel erwägt, sollte nicht die gesamte Organisation auf einmal umstellen, sondern dort beginnen, wo die Argumente am stärksten sind: bei der Pflege am Bett und bei Bewohnern mit empfindlicher Haut.
Die Produkte aus diesem Beitrag
- Feuchte Körperwaschtücher — für die tägliche Körperpflege
- Parfümfreie feuchte Waschlappen — bei empfindlicher Haut
- Antimikrobielle Waschhandschuhe — bei erhöhtem Infektionsrisiko
- Perineum feuchte Waschlappen — für den Intimbereich
- Trockene Waschhandschuhe — zur Anwendung mit Wasser oder einer Lotion nach Wahl
- Shampoo Caps — Haarpflege ohne Wasser
- Wärmer für feuchte Waschhandschuhe — für eine konstante Temperatur
Fragen dazu, welcher Typ in Ihrer Situation passt? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf — wir denken gerne mit.
